Projekte für die urbane Gartenwildnis
Ehemaliges Molkereigelände und Institutsgebäude FML2
Innenhof Institutsgebäude FML2
Ehemaliges Molkereigelände und Institutsgebäude FML2
Ehemaliges Molkereigelände und Institutsgebäude FML2
Saumvegetation der Sickermulde

Umgestaltung ehemaliges Molkereigelände TU-München-Weihenstephan

Wiesengelände wiederbelebt: Ein aufgelassenes Fabrikgelände im Universitätsgelände am Weihenstephaner Hang wird zurückgebaut und umgenutzt. Abbruchmaterial, verbleibende Reste, neu entstandene und entstehende Lehr- und Forschungsgebäude. Schwierige und heterogene Randbedingungen um einen landschaftlichen Außenraum aufs Neue zu etablieren, landschaftliche Bezüge wieder zu beleben.

Konzept

Die Verlagerung der Molkerei Weihenstephan hinaus aus dem Campusgelände der TU München ermöglichte den Abbruch alter Industrie- und Institutsgebäude und damit den Einstieg in eine städtbauliche Neuordnung des Nordhangs am Weihenstephaner Berg.

Im Zuge der kontinuierlichen Entwicklung des Hochschulstandorts Weihenstephan seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich die Bebauung allmählich über den Nordhang ausgebreitet. Der sog. Freisinger "Nährberg" mit dem kompakten historischen Ensemble von Brauerei und Gebäuden des ehemaligen Klosterkomplexes, der Keimzelle der Landwirtschaftlichen Hochschule, verlor zunehmend an landschaftlicher und städtebaulicher Prägnanz. Mit dem Ausbau zur Campus-Universität seit den 70er Jahren wurde das Hochschulzentrum an den nordseitigen Fuß des Berges verlagert, von dort ausstrahlend wird es seitdem fortlaufend erweitert.


Weihenstephaner Hang mit Brauerei


Entwurf 2001

Künftig soll sich die Bebauung weitgehend auf den Bergrücken (historischer Kern) und den Hangfuß mit Umgebung (modernes Campusgelände) beschränken. Die Hangflanke dagegen soll von Bebauung freigehalten werden, sich wieder als Grünraum mit kulturlandschaftlichem Charakter, wie die Jahrhunderte zuvor, entwickeln. Für den ehemaligen Molkereibereich war dies konkret gestalterisch zu definieren.

Dem Wunsch nach großzügiger Landschaftlichkeit des zu gestaltenden Freiraums stellten sich eine ganze Reihe von technischen und baulichen Fixierungen  aus der industriellen Vergangenheit entgegen. Das Entwurfskonzept reagiert auf die rauhen Vorgaben, in dem es sie nicht zu kaschieren versucht, sondern in bewusst gewählten Kontrasten von Gestaltungselementen und Materialien thematisiert. So bleibt auch weiterhin kenntlich, dass dies ein wiedergewonnener, ein der Bebauung abgerungener Freiraum ist.

Gestaltung ehemaliges Molkereigelände

Das eigentliche ehemalige Molkereigelände wurde als einfacher Wiesenhang gestaltet. Geradlinig wird er von Wegen durchschnitten, sie verknüpfen bislang lose Enden in der inneren Erschließung des Campus auf kürzestem Weg und binden die Einrichtungen auf dem Berg an den Zentralbereich an.

Die Wiese sollte in der Nachbarschaft der vorhandenen wissenschaftlichen Obstplantagen einen landschaftlichen Streuobst-Charakter erhalten. Geeignete und zeitgemäße pflegeextensive Sorten wurden gemeinsam mit Studenten am Institut für Obstbau der FH Weihenstephan im Rahmen einer Semesterarbeit bestimmt. Aufgepflanzt wurden robuste einfache Sorten, die dann später nach dem erarbeiteten Sortenkonzept umveredelt werden. So entstand, nebenbei, eine kleine Versuchsfläche für den Streuobstanbau.

Die Oberflächenformung und Höhenlagen wurden durch Relikte der ehemaligen Bebauung sehr weitgehend determiniert: Beim Abbruch sollten Schuttaufkommen und Entsorgungskosten minimiert werden, so dass der größte Teil des Bauschutts im Rahmen des Abbruchs an Ort und Stelle zur Geländegestaltung eingebaut wurde. Viele Bauteile (Fundamente, Kellerwände) und v.a. zahlreiche noch benötigte Versorgungstrassen, wie z.B. große Fernwärmeleitungen, mussten im Untergrund verbleiben.

Freianlagen Institute

In zeitlicher Überschneidung zum Molkereiabbruch waren am Hangfuß bereits neue Institutsgebäude der TU entstanden, ihre Erschließung und Einbindung war zum Teil provisorisch und sollte im Rahmen dieses Konzepts entwickelt werden. Sie erhielten einen gemeinsamen Wirtschaftshof und individuell auf die vorgefundene Architektur hin konzipierte, diese stimmig ergänzende Außenräume.

Die "Leerstelle" eines ehemals konzipierten Seminargebäudes wird besetzt von einem Baumplatz, mit schnellwüchsigen Robinien bestanden, von einer Sitzmauer einseitig gefasst: ein informeller Versammlungsort, ein einfacher "Bouleplatz". Das alte Denkmal für die kriegsgefallenen Weihenstephaner konnte hier einen neuen, gleichermaßen würdigen wie unprätentiösen Standort finden.

Projektdaten

Bauherr: Staatliches Bauamt Freising
Entwurf, Ausführungsplanung, Ausschreibung, Objektüberwachung: C. Bücheler, Landschaftsarchitekt, München 
Zeitraum: Planung 2001, Realisierung 1. Abschnitt 2002 - 2003, 2. Abschnitt 2005
Größe: 21.000 m2