Die Erweiterung des Landesamts für Umwelt um einen Gebäudeflügel ist mit dem Verlust einer Magerrasenfläche verbunden, die bereits viele, teils seltene Pflanzen- und Tierarten aufwies. Ihre Wertigkeit machte einen Ausgleich im Verhältnis von 1 zu 3 erforderlich, was durch Aufwertung und Neugestaltung unmittelbar angrenzender Flächen erreicht werden konnte.
Im Zusammenwirken mit örtlichen Naturschutzgruppen wurde ein Ausgleichsflächenkonzept entwickelt, das baubegleitend umgesetzt wird. Als Pilotprojekt soll es zeigen, wie wertvolle Biotopstrukturen in der Stadt im gemeinsamen Interesse und Engagement erhalten bzw. ausgeglichen werden können.
Der Ausgleichsgedanke steht bei der Gestaltung der Anlage jedoch nicht für sich, sondern wird in ein sorgfältig auf den Standort und die Umgebung abgestimmtes Gesamtkonzept eingebettet. Vom ehemaligen Flugfeld Haunstetten finden sich noch zahlreiche betonierte Relikte wie Rollfeld und Hallenfundamente, die gestalterisch einbezogen und für das Naturschutzkonzept nutzbar gemacht werden. So entsteht ein strukturenreiches Gelände, in dem auf spannende Art natürliche Landschaftsbilder der Lechaue, Reminiszenzen des historischen Flugfelds, zeitgemäße Architektur, moderne Arbeitsumgebung und neuer Lebensraum für wilde Fauna und Flora in der Stadt verknüpft werden.
Die künftige Ausgleichsfläche auf dem ehemaligen Flugfeld ist mit großen Betonplatten weitgehend versiegelt. Doch die Plattenfugen sind bereits wertvoller Bestandteil des Lebensraums Magerrasen: eine Ameisenart, auf die der seltene und hier vorkommende Idas-Bläuling angewiesen ist, siedelt dort.
In mehreren Phasen wird das südliche Gelände entsiegelt und zu einer sanft modellierten Magerrasenlandschaft umgestaltet. Trockenmauern aus abgebrochenen Platten strukturieren die Fläche und bilden Sonderstandorte. Unterschiedliche Magerrasen-Ausprägungen werden je nach Untergrundbeschaffenheit und Geländesituation entstehen. Ein Teil der Betonplatten bleibt erhalten, als Struktur- und Wegeelemente und als Reminiszenz an die historische Nutzung, als Identitätsmerkmal des Ortes.
Vor Beginn der Bauarbeiten wurde im Spätwinter der vorhandene Magerrasen abgezogen und auf einer vorbereiteten Teilfläche sofort wieder ausgebracht - eine Möglichkeit, um wertvollen Pflanzen- und Tierbestand möglichst schonend zu übertragen und am Standort zu erhalten. Die Umsiedlung wird mit Kartierungen begleitet, erst in einer Weile wird man sehen, wie erfolgreich sie war. Auf einem anderen Areal wurde 2011 Mähgut aus Naturschutzgebietsflächen der Lechheide verteilt, um spezielle Magerrasenarten zu übertragen. Im Jahr 2012 werden Gebäude, Freianlagen und Ausgleichsfläche zeitgleich fertiggestellt sein.

Entwurf 2009

Phasen-Konzept zur baubegleitenden Realisierung
Bauherr: Staatliches Bauamt Augsburg
Entwurf, Ausführungsplanung, Ausschreibung, Objektüberwachung:
C. Bücheler, Landschaftsarchitekt, München
Zeitraum: Planung seit 2009, Realisierung 2009-2012
Größe: ca. 12.000 m2