Projekte für die urbane Gartenwildnis

Eingangsbereich, Juni 2007

Magerrasen im südlichen Gelände, Juni 2010
Nördlicher Innenhof, Mai 2005
Mittlerer Innenhof, Mai 2008
Regenwasserbecken im mittleren Innenhof, Mai 2008
Mittlerer Innenhof, Mai 2004
Aquiferspeicher mit Steinbeeten für Pionierbrachen, Mai 2008
Nördlicher Innenhof mit Sickermulde und Birkenhain, Mai 2008
Nördlicher Innenhof im Winter, Dezember 2006
Südlicher Hof mit Regenwasserbecken und Magerrasen nach der Mahd, Juli 2010
Detail Regenwasserbecken, Juli 2010
Magerrasen im südlichen Hof, Juni 2010
Magerrasen im südlichen Hof, Juni 2010
Nördlicher Innenhof im Herbst, Oktober 2006
Steinriegel am Aquiferspeicher, Juli 2010

Freianlagen Landesamt für Umwelt, Augsburg

Die Außenanlagen des 1999 vom Bayerischen Landesamt für Umwelt bezogenen Neubaus in Augsburg-Haunstetten wurden auf Wunsch des Bayerischen Umweltministeriums als Vorbild für die Neuschaffung innerstädtischer Grünflächen konzipiert. Im Vordergrund standen Naturnähe und Nachhaltigkeit. Durch gezielte und konsequente Pflege und Steuerung der natürlichen Entwicklung konnten sie seither zu einem artenreichen Stadtbiotop fortentwickelt werden. Als Vorzeigeflächen machen sie sichtbar, dass sich Naturnähe, Naturerleben und Stadtlage nicht ausschließen. Vor allem die blumenreichen Magerrasen sind zu einem echten Anziehungspunkt geworden.

Konzept

Die Außenanlagen verstehen sich als Experimentierfeld für eine Freianlagengestaltung, bei der Naturnähe im baulichen Umfeld und im Dialog mit Architektur sich variantenreich ausdrückt und einen spannend und vielfältig erlebbaren Außenraum entstehen lässt. Ein Planungsansatz, der Standorte schafft und diese als Rahmen, als Struktur begreift, innerhalb dessen sich das natürliche Potential des Ortes an Pflanzen und Tieren seinen Platz sucht.

So entstand ein vielteiliges Standort-Mosaik mit kleinsträumig unterschiedlichen Standortbedingungen für verschiedenste Pflanzen und Pflanzengesellschaften. Teils wurde gezielt angepflanzt, angesät oder Mähgut aus Naturschutzflächen ausgebracht. Teils wurde lediglich Raum gegeben für die Selbstansiedlung.

Vegetation entwickelt sich mit der Zeit und entfaltet sich ständig weiter, erst allmählich werden die Besonderheiten des Vegetationskonzepts erkennbar und es bedarf einer differenzierten Pflege, um es herauszuarbeiten und auf Dauer zu erhalten.

Vor allem die Magerrasen bestimmen das Bild. In Gestaltung und Artenzusammensetzung beziehen sie sich auf die regionaltypischen Lechheiden, magere kiesige und beweidete Flächen entlang des Lechs. Nur wenige Jahre nach der Herstellung handelt es sich dabei noch nicht um ausgereifte Vegetationseinheiten im vegetationskundlichen Sinn. Eine botanische Dauerbeobachtung zeigt jedoch, dass sie sich dank der Pflege im Sinne des Konzepts sehr positiv zu hochwertigen naturnahen Flächen entwickeln.

Entscheidend für Richtung und Qualität der weiteren Entwicklung ist die Pflege. Sie greift lenkend in den einsetzenden dynamischen Prozess ein, definiert erwünschte und nicht erwünschte Entwicklungen, versucht den ökologischen Bedingungen des Ortes gerecht zu werden und zugleich den Mitarbeitern und Besuchern die Freude am Garten zu erhalten. Gärtnerisches Tun im ursprünglichen Sinn und im ständigen Dialog mit der Natur.

Mit der baulichen Fertigstellung der Außenanlagen wurde ein Pflegekonzept erarbeitet, das detaillierte Maßnahmen für ihre Pflege und Wartung enthält. Für jedes der verschiedenen Vegetationselemente wurden Entwicklungsziele definiert, die im Verlauf der weiteren Pflege erreicht oder erhalten werden sollen. Daneben gibt es viele Hinweise zum Bauunterhalt von Belagsflächen, Mauern und Wasserbecken sowie technische Informationen zur Herstellung der Außenanlagen.

Das LfU dokumentiert die Außenanlagen und die inzwischen erstaunliche Artenvielfalt in der Vegetation ausführlich auf seiner Website. Verschiedene weiterführende Fachinformationen sind dort auch zum Download verfügbar.


Übersichtsplan Freianlagen LfU, Stand 2000


Standortmosaik von Pionierbrachen


Ausstellung zur BuGa 2005

Erweiterungsbau Labore

Seit 2010 wird das LfU um ein Laborgebäude ergänzt, damit verbunden ist der Verlust einer Magerrasenfläche, die bereits viele, teils seltene Pflanzen- und Tierarten aufwies. Ihre Wertigkeit machte einen Ausgleich im Verhältnis von 1 zu 3 erforderlich, was durch Aufwertung und Neugestaltung unmittelbar angrenzender Flächen erreicht werden konnte.

Im Zusammenwirken mit örtlichen Naturschutzgruppen wurde ein Ausgleichsflächenkonzept entwickelt, das baubegleitend umgesetzt wird. Die Außenanlagen des Erweiterungsbaus werden sinngemäß in das vorhandene Konzept eingefügt. Magerrasenflächen werden das Gebäude umgeben und einen nahtlosen Übergang zu den neu geschaffenen Ausgleichsflächen herstellen. Das Standortmosaik konnte so um neue Varianten bereichert und, durch neu hinzugekommene des Studentenwerks in der Nachbarschaft, beträchtlich ausgeweitet werden. Stadtnatur macht sich breit im Süden von Augsburg.

Projektdaten

Auftraggeber: Staatliches Bauamt Augsburg

Neubau Augsburg
Entwurf, Ausführungsplanung, Ausschreibung: Valentien + Valentien, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner Weßling (Projektleitung C. Bücheler)
Objektüberwachung, Pflegekonzept und -betreuung: C. Bücheler, Landschaftsarchitekt, München
Architektur: Kaup, Jesse, Hofmayr, Werner, Architekten, München
Zeitraum: Errichtung 1998 bis 2000, Pflege seit 2001
Größe: 55.000 m2

Erweiterungsbau Labore, Augsburg
Entwurf, Ausführungsplanung, Ausschreibung, Objektüberwachung: C. Bücheler, Landschaftsarchitekt, München
Architektur: Jesse, Hofmayr, Werner, Architekten, München
Zeitraum: 2008 - 2010
Größe: 8.000 m2