Projekte für die urbane Gartenwildnis

Landesamt für Umwelt, Augsburg

Kiefernhain München-Freiham
Landesamt für Umwelt, Augsburg
Garten Ebenhausen
Landesamt für Umwelt, Augsburg
Pilotprojekt Magerrasen, LfU Augsburg
Wohnanlage Wagnis 3, Messestadt München-Riem
Studentenwohnanlage Stiftsbogen München

Aktuell

Hohe Qualität bei tragbaren Kosten

Kürzlich wurde der Deutsche Bauherrenpreis 2012 des GdW verliehen, er gilt als der wichtigste deutsche Wohnungsbaupreis. Ausgezeichnet wurden Bauherren, die sich um flexible Wohnformen in hoher Qualität zu tragbaren Kosten bemühen und die in ihren Projekten durch gestalterische Qualität und soziale Verantwortung einen wesentlichen städtebaulichen Beitrag zur Innenentwicklung der Städte leisten.

Einen Preis erhielt die Studentenwohnanlage am Stiftsbogen, eine Anerkennung die Studentenwohnanlage im Olympischen Dorf in München. Glückwunsch an Bauherr und Planer. Bei beiden Projekten durften wir die Realisierung der Freianlagen betreuen. (02.03.2012)

Heu in der Stadt


Unter dem Titel Pilotprojekt für Stadtökologie berichtete die Augsburger Allgemeine am 05.07.2011 vom Stand der Arbeiten an der Ausgleichsfläche für die Erweiterung des LfU; bereits im Februar 2010 konnten wir Magerrasen aus dem künftigen Baufeld umsiedeln, der Erfolg konnte nun gemeinsam mit Vertretern des LfU, der Naturschutzverbände und der Presse besichtigt werden. Nicht nur wichtige Pflanzen sondern auch mit ihnen ökologisch eng verbundene Tiere wie spezielle Ameisenarten oder Bläulinge konnten nach einem Jahr bereits wieder festgestellt werden. (13.07.2011)

1 Baum pro Tag

Im lindgrünen Mai haben wir einmal bilanziert, wieviele Bäume wir so pflanzen im Jahr. Eine Auswertung der Abrechnungsunterlagen hat ergeben, dass wir in den letzten 12 Jahren in von uns bearbeiteten Projekten insgesamt 3.570 Bäume gepflanzt haben. Das sind 297,5 Bäume pro Jahr. Oder ungefähr 1 Baum pro Werktag.

Ein Bundesbürger verursacht im Durchschnitt 11 t CO2-Emission pro Jahr. Haben diese Bäume Glück in ihrem Leben und dürfen 100 Jahre alt werden, dann binden sie in dieser Zeit ca. 11.000 t CO2. - damit lässt sich also 1000 Jahre klimaneutral leben! Bedenkt man, wieviele Leute insgesamt beteiligt waren, diese Bäume heranzuziehen, zu beplanen, zu pflanzen und im weiteren zu pflegen, so hat dieses Personal in Summe wohl eine einigermaßen ausgeglichene CO2-Bilanz. Eine tröstliche und höchst spekulative Rechnung freilich, allenfalls hilfreich, um Größenordnungen zu erahnen.

Die umweltwirksamen Leistungen eines Baumes lassen sich, alltagstauglich, auch so beziffern: ein durchschnittlicher Laubbaum (15 - 20 m hoch)

  • verdunstet bis zu 80 l Wasser pro Tag
  • produziert pro Jahr bis zu 3 Mio Liter Sauerstoff und 4.000 kg organische Substanz,
  • fixiert mit einer Wurzelmasse von 300 - 500 kg bis zu 1 t Humus und 50 t Mineralboden und hält bis zu 70 m³ Wasser zurück
  •  kann die Umgebungstemperatur gegenüber einer benachbarten Asphaltfläche im Sommer um > 60°C absenken.

Man kann dies, was sich da ereignet, aber auch anders ausdrücken:

Dort auf der Straße nach Méséglise habe ich zum ersten Male bemerkt, daß Apfelbäume einen runden Schatten auf den besonnten Boden werfen, und auch jenes ungreifbare goldene Seidengespinst zum ersten Male gesehen, das die sinkende Sonne beim schrägen Einfall unter den Blättern schafft und das ich meinen Vater oft mit seinem Spazierstock durchschlagen sah, ohne daß es sich jemals verschob. (Marcel Proust: In Swanns Welt)

In aktuellen Debatten ist man geneigt, die Rolle von Bäumen in unseren Städten und Siedlungen auf ihre Umweltbedeutung zu reduzieren. Doch die Bedeutung von Bäumen und ihre Wurzeln reicht tiefer:

Es besteht der Glaube, dass die Bäume den Atem der Personen aushauchen, die in den begrabenen Städten wohnen, und darum holen sich, nach einer altüberlieferten Sitte, in ihrem Schatten diejenigen Rat, die schwere Gewissensfälle zu entscheiden haben, die Verliebten lindern dort ihre Pein, die verirrten Pilger suchen bei ihnen Belehrung über den Weg, und die Dichter empfangen dort ihre Eingebung. Die Bäume verzaubern die ganze Stadt. (Asturias: Legenden aus Guatemala)

Darum geht es und daraus beziehen wir unsere Motivation, auch weiterhin Bäume zu pflanzen. Möglichst 1 Baum für 1 Tag. (20.05.2011)

Winterliche Aktivitäten in Freiham

Entgegen der landläufigen Meinung, Gärtner (und Landschaftsarchitekten) würden den Winter nur hinterm Ofen verschlafen, wurde das Winterwetter genutzt, um den größten Teil der 1100 Bäume in den Boden zu bekommen.

Überwiegend nur leichter Frost und kaum gefrorener Boden sorgte für nahezu ideale Pflanzbedingungen: die Baumgruben konnten problemlos ausgehoben und wieder verfüllt werden, zugleich hinterließ der Bagger kaum Spuren und Bodenverdichtungen, weil schon die nur dünn gefrorene Bodendecke ihn trug.

Das fröhliche Auf- und Ab der Dreiböcke ist den unterschiedlichen Stammhöhen und Kronenansätzen geschuldet - jedem Baum seine persönlich angepasste Anwuchshilfe. Nach drei bis vier Jahren ist der Stangenwald wieder verschwunden.

So entsteht allmählich der Kiefernhain und schiebt sich bereits als deutlich wahrnehmbare räumliche Zäsur wohltuend zwischen die großen Gewerbebauten im Süden und das langsam entstehende Wohnquartier nördlich davon. Fast zwei Drittel sind geschafft, noch steht der Endausbau der Wege und Wiesenflächen aus. Dazu darf das Frühjahr nicht zu nass werden. (03.03.2010)

Grünanlage wiederentdeckt - Baubeginn an der Landshuter Allee

Eine verkehrsreiche Kreuzung im Nordwesten Münchens, am Ende der Landshuter Allee, einer Fortsetzung des Mittleren Rings. Bis vor wenigen Tagen verbarg sich dort hinter einem dichten Gestrüpp von Robinien und allerlei Wildwuchs der nördlichste Zipfel des Olympiaparks. Kaum bekannt, kaum zu sehen und fast nur von den Anwohnern zum Ausführen der Hunde genutzt. Doch das Gebiet wandelt sich: ehemalige Stadtrand- und Gewerbebrachen werden bebaut, der Transrapidtraum ist ausgeträumt und vielleicht steht bald die Eisenbahntrasse samt Brücke als Fußgängerbrücke zur Verfügung.

Das war einer der letzten unerfüllten Wünsche des Olympiapark-Planers Günter Grzimek, die kreuzungsfreie Querung der Ausfallstraßen und die Anbindung des Parks an das nördliche Seengebiet. Noch ist es nicht so weit - doch dieser Tage konnten wir damit beginnen, den Park an dieser Stelle überhaupt wieder ins Licht zu rücken, zu öffnen zur Stadt hin.

Welche Räume sich da auf einmal weiten! Bislang eine fast vergessene Grünrestfläche - und jetzt auf einmal kann man erkennen, dass tatsächlich bereits an dieser Kreuzung die Parklandschaft des Olympiaparks sich zu entfalten beginnt. Künftig sollen die vorhandenen großen Ahorne, Platanen und Linden eingebunden sein in einen großzügigen Eichenhain, in den ersten Jahren, bis die Eichen herangewachsen sind, durchspielt von blühenden Wildkirschen. (11.11.2009)

Halbzeit im Olympiadorf

Unvorhergesehen hatte sich der Baubeginn im Olympiadorf bis in den Mai verzögert, so dass bis jetzt erst die Hälfte der Pflasterflächen hergestellt werden konnte. Doch nach und nach beziehen die Studenten die einzelnen Baufelder und die Pflasterer arbeiten sich unaufhaltsam vor durch das Gassengewirr. Das Beste dabei: bislang ist es gelungen, den Pflasterteppich naht- und schnittlos durch bereits über 30 Gassen zu ziehen und immer wieder zusammenzubinden.

In der Novemberausgabe der Zeitschrift Garten + Landschaft ist zum Projekt und zum eigens entwickelten Verbundpflasterstein "Sinus" ein Artikel des planenden Landschaftsarchitekten Franz Damm vom Büro Keller & Damm erschienen ("Arbeiten mit Beton" G+L 11/2009, S. 36 ff.). (31.10.2009)

Erweiterungsbau Bayerisches Landesamt für Umwelt

Sensible Aufgabenstellung: in den Außenanlagen des Landesamts für Umwelt in Augsburg soll ein Ergänzungsbau errichtet werden. Ein bedeutsamer Eingriff in einen besonderen Außenraum. Aber auch eine Möglichkeit, das bislang verfolgte naturnahe Gestaltungskonzept zu überprüfen, zu optimieren, weiter zu entwickeln. Das Projekt ist bewilligt und im Sommer 2010 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Über die letzten 10 Jahre war es gelungen, einen artenreichen Magerrasen zu etablieren, in dem sich selbst seltene Pflanzenarten der regionaltypischen Magerstandorte der Lech finden lassen. Auf dieser Fläche sollen nun umweltanalytische Labors entstehen. Das Areal bietet aber Ausweichmöglichkeiten für die Magerrasenvegetation, diese gilt es zu erschließen und in die neue bauliche Situation einzubinden. Ein weiterer Schwerpunkt im Freiraum wird die gestalterische Integration der Regenwasserbewirtschaftung sein.

LfU als Biodiversity-Beispielprojekt vorgestellt

Vom 21. - 24. 2008 Mai fand die dritte Konferenz des Competence Network Urban Ecology unter dem Titel Urban Biodiversity & Design in Erfurt statt. Norbert Kunz vom Bayerischen Landesamt für Umwelt stellte die Außenanlagen des LfU und ihre nun knapp 10-jährige spannende Entwicklungsgeschichte vor. Unter dem Titel Innovative landscaping for the Bavarian Environment Agency (LfU) in Augsburg erläuterte er die ökologischen Planungsprinzipien und reflektierte die guten Erfahrungen mit Bau, Pflege und Akzeptanz der Anlage. Er betonte dabei besonders die im Jahreslauf sich wandelnden, facettenreichen Naturphänomene, die dort in einem städtischen Umfeld beobachtet und erfahren werden können.

 

Ökologie und wie sie praktisch funktioniert wird anschaulich. Nicht zuletzt bei der Pflege, die die konkurrierenden Prozesse zwischen den vielerlei Pflanzenarten steuert und die Anlage trotz aller zugelassenen natürlichen Dynamik als Garten lesbar und erlebbar erhält. Für den Internetauftritt des LfU haben wir dazu wichtige Aspekte des Pflegekonzepts für verschiedene Vegetationstypen in allgemein verständlicher Form dargestellt. (10.06.2008)

Das Gras, das Wasser, die Luft.
Was wollt ihr sonst noch erfahren?

Hermann Lenz